Feinschmecker: Der Stuttgarter Sommelier Bernd Kreis gibt Tipps für kulinarische Kombinationen. Foto: Wulf Wager
Trinktipps von Sommelier Bernd Kreis

Stuttgarts Weine zum Essen

Die edlen Tropfen der Landeshauptstadt überzeugen zu Vesper und Festmenü


Die Vermählung von Wein und Speisen ist eine komplizierte Angelegenheit. Ob aus ihr Traumpaare oder Mesalliancen hervorgehen, entscheiden nicht Zufälle, sondern Duft und Geschmack der Weine. Hier finden Sie einige Tipps für harmonische Zusammenstellungen von Speisen und Stuttgarter Wein. Um Stuttgarts Rebsortenvielfalt gerecht zu werden, ist wesentlich mehr Platz nötig als hier vorhanden ist. Daher beschränken sich die folgenden Empfehlungen auf die hauptsächlich gepflanzten Arten und einige Sorten, die trotz kleiner Anbaufläche von besonderer Bedeutung sind.


Weißweine


Riesling
Die edelste Weißweinrebe der Welt schenkt uns eine Vielzahl an Weinstilen von knochentrockenen Viertelesweinen bis zu edelsüßen Eisweinspezialitäten. Trockene und halbtrockene Rieslinge passen ausgezeichnet zu Süßwasserfischen und zu Lachs. Achten Sie darauf, dass die Saucen dazu nicht zu sahnig sind. Besonders gut harmoniert Riesling zu geräucherten Fischen. Eine weitere Traumkombination mit trockenem Riesling ist Wiener Schnitzel. Rieslinge mit betonter Restsüße sind unschlagbar in Kombination mit scharf-aromatischen Gerichten der asiatischen Küchen. Die edelsüßen Hochkaräter adeln jedes Dessert mit Früchten. Und zum Vesper mit herzhaften Wurstwaren, geräuchertem Schinken und Speck passt ein trockener Riesling ebenfalls.




Kerner
Die Kreuzung von Riesling und Trollinger bringt aromatische Weine, die durchaus an ihr großes Vorbild, den Riesling, erinnern können. Der im Vergleich rustikalere Charakter des Kerners prädestiniert ihn zu Gerichten der lokalen Küche, wie geschmelzte Maultaschen und Kässpätzle. Halbtrockene und fruchtsüße Kerner passen ebenfalls gut zu pikanten und süß-saueren asiatischen Gerichten.




Gewürztraminer
Gewürztraminer produziert kraftvolle, aromastarke Weine. Sie besitzen wenig Säure, deshalb erscheinen selbst trockene Gewürztraminer mild und verbinden sich vortrefflich mit Pasteten, Terrinen und Geflügelgerichten. Ein Klassiker der großen Küche ist Gewürztraminer mit Gänse- oder Entenleberpastete.




Weißburgunder
Weißburgunderweine zeichnen sich durch feine, zurückhaltende Aromatik aus, die an Äpfel und Birnen und Lindenblüten erinnert. Sie drängeln sich geschmacklich nicht in den Vordergrund und sind deshalb beinahe universelle Essensbegleiter. Die besten Exemplare wachsen auf Gipskeuperboden, sind rassig und ergänzen Seefisch- sowie Spargelgerichte perfekt. Körperreichere Weißburgunder harmonieren sehr gut zu Hartkäse und zu Geflügelgerichten.




Grauburgunder
Die bekömmlichen Grauburgunderweine besitzen meist sehr moderate Säurewerte und etwas mehr Alkohol als Weißburgunder. Oft duften sie nach Nüssen, Quitten und Akazienblüten. Sie passen ausgezeichnet zu den meisten Wurstspezialitäten, Maultaschen und Huhn. Als Begleiter zur Käseplatte laufen sie allen Rotweinen den Rang ab.




Sauvignon blanc
Seit einigen Jahren macht der Sauvignon blanc im Schwabenland Furore. Die frisch aromatischen Weine des Sauvignons munden besonders in der warmen Jahreszeit. Sie sind ideal zu Meeresfrüchten und zu Süßwasserfischen. Eine Idealkombination mit Sauvignon blanc ist frischer Ziegenkäse. Und zu Gemüsegerichten macht der Sauvignon blanc ebenfalls eine besonders gute Figur.



Rotweine


Trollinger
Der Schwabenwein schlechthin dominiert auch in Stuttgart die Rotweinszene. Ihm begegnet man nicht nur in den zahlreichen Besenwirtschaften, sondern auch in den feineren Wein­stuben und Restaurants der Landeshauptstadt. Gäbe es keine Maultaschen, Leberspätzle, Linsen mit Spätzle, Siedfleisch, Fleischküchle und Kutteln, so müssten sie speziell für den Trollinger erfunden werden.




Lemberger
Lemberger ist das Aushängeschild der schwäbischen Weinkultur. Die anspruchsvolle Rebsorte liefert feine Rotweine auf höchstem Niveau. In Kombination mit Rindfleischgerichten spielen die dunklen, gerbstoffbetonten Lemberger ihre Trümpfe aus und Kalbsleber ohne Lemberger ist ein Frevel.




Spätburgunder
Ohne Zweifel ist der Spätburgunder die edelste Rotweintraube der Welt. Er verlangt mit seinem kapriziösen Verhalten Weingärtner und Kellermeister das Maximum an Leistung ab und entschädigt aber dann mit seidigen Rotweinen, die in punkto Vielfalt und Feinheiten unerreicht sind. Zu Wild und gebratenem Geflügel gibt es nichts Besseres. Auch Schweinefleisch wird durch die Präsenz eines Spätburgunders geradezu geadelt. Wenn Spätburgunder einige Jahre gereift sind, entwickeln sie erdige Aromen und harmonieren ausgezeichnet zu Pilzgerichten.




Cabernet-Sauvignon und Merlot
Schon längst haben diese bordelaiser Sorten, besonders der Merlot, ihren Exotenstatus abgelegt. Sie überzeugen mit Ge- schmackstiefe, markanten Gerb- stoffen und Eleganz. Reinsortig oder in Cuvées, vor allem mit Lemberger, harmonieren sie bestens mit Lamm, kräftigem Kalb- und rosa gebratenem Rindfleisch und allen Gerichten, in denen Paprika tonangebend ist.
Wohl bekomm’s.




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