Weinzähne wollen Weintafel
Weinmacher und Weinfreunde fördern das Image des Weines in der Region Stuttgart

von Wulf Wager


Weinmacher, Gastronomen, Marketingleute, Lokalpolitiker und Journalisten trafen sich im Herbst letzten Jahres zum ersten Mal zu einem weinfreudigen Gesprächskreis. Erklärtes Ziel: die Erhöhung des Weinimages der Region Stuttgart. Der ehemalige Stuttgarter Messechef Rainer Vögele sowie die Geschäftsführer der Weingärtnergenossenschaft Rotenberg, Martin Kurrle, der Weinmanufaktur Untertürkheim, Günter Hübner, und der Wengerter und Stadtrat Fritz Currle hatten gemeinsam die Idee, die Protagonisten des Weines zu einer Stuttgarter Weintafel zusammenzuführen, um regionsbezogene Weinthemen zu diskutieren und dem Thema Wein einen höheren Stellenwert zu verschaffen. Namhafte Weinmacher wie Wöhrwag, Schnaithmann, Zaiß und Kurrle und andere folgten dem Ruf. Doch auch Vertreter von Stuttgart Marketing und der Presse fanden an der Idee Gefallen.

„Wein ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Region, das zu wenig promotet wird“, klagt Rainer Vögele. Deshalb wolle die Stuttgarter Weintafel das Thema stärker nach außen tragen. „Wo sonst gibt es schon Weinberge mitten in der Großstadt?“, so Vögele. Recht hat er. Am Hasenberg, an der Neuen Weinsteige, auf der Karlshöhe oder an der Krailenshalde gedeihen wunderbare Weine. Aber auch das reizvolle Remstal und Esslingen mit malerischen Weinbergen unterhalb der Burg gehören zur Weinregion Stuttgart.

Ihren Wein trinken die Württemberger am liebsten selbst. Deshalb gibt es kaum Export. Dennoch haben sich gerade die Weinmacher in der Region Stuttgart in den letzten Jahren einen sehr guten Ruf erworben. „Warum liegt nicht in jedem Mercedes oder jedem Porsche, der die Stadt verlässt, eine Flasche Stuttgarter Wein?“, fragt sich Vögele und spielt damit auf ein Pfund an, mit dem Stuttgart noch viel zu wenig wuchert.

Eine sehr offene Diskussion zu allen Themen rund um den Weinbau bildet das Zentrum der Weintafel. Im Frühsommer traf man sich beim Weingut Wöhrwag. Nach einer Betriebsbesichtigung diskutierte man angeregt über die Bedeutung des Begriffes Terroir. Dieser aus dem Französischen stammende Begriff beschreibt die naturgegebenen Faktoren eines Stückes Land, die den Charakter der dort angebauten Agrarerzeugnisse beeinflussen, also das Zusammenspiel von (Mikro-)Klima, Geologie, Topografie und Bodenbeschaffenheit. Der Begriff beurteilt somit den Charakter und Wert des entsprechenden Gebiets und seiner Erzeugnisse. Dazu gehören, so die Meinung der Weintafeldiskutanten, auch die überlieferten und erworbenen Fähigkeiten des Weinmachers. Terroir bietet die Möglichkeit, Alleinstellungsmerkmale für die Stuttgarter Weinmacher zu generieren.

Über eine Konzentration von öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen für Weinliebhaber auf verschiedenen qualitativen Ebenen wurde ebenfalls nachgedacht. Natürlich prallen hier Interessenskonflikte aufeinander und man ist weit entfernt davon, den Weintreff in Fellbach mit der Veranstaltung „Stuttgarts beste Weine“ zu verschmelzen und eine weitere Veranstaltung ausschließlich für die Topwinzer zu kreieren. Denn die Topwinzer glänzen bei „Stuttgarts beste Weine“ mit Abwesenheit.

Sie plädieren für eine starke Ertragsreduzierung und eine Steigerung der Qualität auch in der Vermarktung. „Wenn das Zuckerle von Cannstatt über Hofen bis Münster geht, und das auf allen Seiten, kann von einem Herzstück nicht mehr die Rede sein“, so Hans-Peter Wöhrwag zur uferlosen Ausdehnung der Lagen.

Man darf gespannt sein, wohin sich die Weintafel entwickelt und welche Auswirkungen die Diskussionsrunde haben wird. Potenzial ist da. Ausreichend.


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