Weinbau: Der lange Weg bis zum Genuss | Foto: DWI/Hartmann
Wein und Frauen – Wein für Frauen?
Im Gespräch mit der Stuttgarter Sommelière Christina Hilker


Das Interview führte Anke Beisswänger


Christina Hilker

Was fällt Ihnen zum Stichwort Frauenwein ein?

Christina Hilker: Dass es sich meiner Meinung nach nicht eignet, um einen Wein zu beschreiben. Und dass es nicht zeitgemäß ist, nach Frauen- und Männerweinen zu unterscheiden. Meiner Erfahrung nach stößt man mit solchen Verallgemeinerungen schnell an Grenzen. Ich kenne zum Beispiel viele Frauen, auf die derartige Klischees (mögen es lieber süß, bevorzugen Rosé usw.) überhaupt nicht zutreffen, sondern die etwa viel lieber einen kräftigen Rotwein trinken.

Also eher kein Wein FÜR Frauen – und was halten Sie vom Wein VON Frauen?

Christina Hilker: Ich finde es toll, – obwohl das eigentlich ganz selbstverständlich sein sollte, dass in den letzten Jahren immer mehr Frauen im Weinbereich aktiv sind und auch als Winzerinnen akzeptiert werden, ohne sich groß rechtfertigen zu müssen. Man muss nur an erfolgreiche Weinfrauen wie Roy Blankenhorn aus Baden oder die Württembergerin Christel Currle denken. Deren Erfolge haben natürlich in erster Linie mit Qualität und Professionalität zu tun, aber es steckt auch intensive langjährige Überzeugungsarbeit dahinter – so feiert etwa das Weinfrauennetzwerk „Vinissima“ dieses Jahr bereits 20-jähriges Jubiläum.

Haben Sie bei Ihrer Tätigkeit als weiblicher Sommelier auch Überzeugungsarbeit zu leisten?

Christina Hilker: Als ich vor zehn Jahren in den Beruf eingestiegen bin, hatte eine Reihe bekannter weiblicher Sommelièren wie Paula Bosch, Christina Fischer oder Natalie Lumpp sozusagen wichtige Vorarbeit geleistet. Insgesamt sind wir hierzulande im internationalen Vergleich sehr fortschrittlich. Es begegnen mir nur noch selten Gäste skeptisch nach dem Motto „Ob das etwas für eine Frau ist ...“. Ich sehe hier keine Geschlechtervorteile – wichtige Voraussetzungen, um als Sommelier bzw. Sommelière gut zu sein, sind einfach, dass man sensorisch fit, ein Stück weit Genießer und offen für Neues ist.

Was fehlt Ihrer Meinung nach, wenn Sie an das Thema Wein und Frauen denken?

Christina Hilker:Was ich sinnvoll finde, sind Wein-Veranstaltungen, die sich ausschließlich an Frauen richten. Wäre ich Winzerin, würde ich das Angebot solcher Events auf- bzw. ausbauen. Das ist jetzt natürlich auch ein Stück weit Klischee, aber Frauen sind im Auftreten häufig zurückhaltender als Männer und sehen sich weniger als Weinkenner. Insofern machen spezielle Themenabende Sinn, wo Frauen mit Freundinnen hingehen können, sich nicht eingeschüchtert fühlen und viel eher öffnen, stärker nachfragen. Ein weiterer Aspekt: Vielfach sind es nach wie vor Frauen, die für die Familie und Gäste kochen – und den passenden Wein einkaufen. Hier sehe ich Bedarf an – gerne genussvollen – Veranstaltungen zum Thema Wein und Speisen, bei denen praktisch umsetzbare, nicht zu abgehobene Informationen vermittelt werden.

Vielen Dank für das Gespräch! Haben Sie noch Tipps, wo man sich über die angesprochenen Punkte weiter informieren kann?

Christina Hilker: Über Frauen und Wein z.B. unter www.vinissima.de. Und für Fragen rund ums Thema Genuss – also etwa zu Wein, Speisen, Dekoration usw. – ist das Teinacher-Genießerportal www.ausgezeichnet-geniessen.de eine gute Adresse.



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